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Gordon Mauer & Falk Schollenberger

Mit intelligenten Plattformen Komplexität beherrschbar machen

Unser aktueller International Construction Costs Report 2024 identifiziert die baulichen Assets von HighTech-Sektoren wie Halbleiterproduktion und Datenverarbeitung als Schlüsselmärkte mit hohem Wachstumsdruck und noch höheren Investitionsvolumina, für die Effizienz in Planung und Realisierung extreme Mehrwert-Effekt generieren können. Wir erläutern Potenziale am Beispiel der räumlichen Verteilung von Rechenzentrums-Infrastruktur.

Wenn wir gefragt werden, was wir beruflich so machen, gibt es eine ziemlich einfache Antwort: It’s complicated. Wer sich wie wir professionell (…unter anderem) mit der Identifikation möglicher Standorte für neue Rechenzentren beschäftigt, der bewegt sich in einer multifaktoriellen Entscheidungsraum, in dem nicht nur die Vielzahl und Komplexität der Kriterien und Rahmenbedingungen beeindruckt, sondern auch deren zeitliche Entwicklungsdynamik. Manche dieser Faktoren sind zudem in „harten“ physikalischen Maßen und Größen auszudrücken (z.B. Sicherheitsabstände und Energieverbräuche), andere basieren dagegen auf Erfahrungswerten aus anderen Marktsektoren und Branchen (z.B. öffentliche Akzeptanz und Genehmigungsstrukturen).

Wie oft in schnell wachsenden, neuen Märkten mit hoher Nachfrage hat sich die Rechenzentren-Infrastruktur in Bezug auf Standortentscheidungen bislang eher agil und „hemdsärmelig“ entwickelt. Das Standardverfahren waren Due Diligence Prüfungen und Machbarkeitsstudien im Einzelverfahren für Lokationen, deren Vorauswahl keinen hohen Systematisierungsgrad hatte. Das Ergebnis dieser agilen Vorgehensweise waren funktions- und genehmigungsfähige Anlagen, die aber in Bezug auf ökonomischen Mehrwert und Nachhaltigkeit nicht unbedingt im Bereich des möglichen Optimums liegen. Bei Gesamtinvestitionen, die an einem Standort durchaus im hohen dreistelligen Millionenbereich liegen können, machen hier kleine Nachteile und Reibungsverluste einen großen Unterschied.

 

Harte und weiche Faktoren und Kriterien bei der Data Center Standortsuche

Diese „wilden“ Anfangsjahre sind vorbei. Wir registrieren sowohl an der Kundenfront als auch in unseren globalen Marktanalysen (… siehe auch den HighTech- und IT-Fokus in unserem Arcadis Baukostenindex 2024) inzwischen eine wachsende Nachfrage nach systematischeren, strukturierten und professionelleren Ansätzen. Was Entwicklern und Betreibern der Anlagen beispielsweise bislang fehlte, ist eine integrierte, intelligente Plattform, die potenzielle Standorte in Form digitaler Weissflächenkartierungen ausweist und im komplexen Geflecht aus harten und weichen Faktoren und Kriterien, aus „Must haves / Should haves / Nice to haves“, die bestmöglichen und erfolgversprechenden Kombinationen für das jeweilige Anforderungsprofil generiert. Eine Plattform, die wir für diesen Zweck aktuell aufbauen und entwickeln, zielt exakt in diese Marktlücke. Um das Grundkonzept des Systems zu verstehen, ist eine strukturierte Übersicht der Standortfaktoren für Rechenzentren hilfreich (s. Abbildung).

Standortfaktoren für Rechenzentren (aggregierte und generalisierte Darstellung)
Standortfaktoren für Rechenzentren (aggregierte und generalisierte Darstellung)

 

Die genauere, beispielhafte Betrachtung einzelner Kriterien-Cluster (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) in ihrer zeitlichen Veränderungsdynamik offenbart die interessanten Schwierigkeitsgrade und wechselseitigen Abhängigkeiten eines solchen integrierten Ansatzes:

• Die Realisierung von Rechenzentren hat mehrjährige Konzeptions-, Planungs- und Genehmigungsvorläufe – das sind mitten in einer hochdynamischen Transformationsphase der gesamten Energieversorgungsinfrastruktur lange Zeiträume. Es geht also nicht nur um die zuverlässige Beschreibung des Status quo, sondern auch um verlässliche Prognosen bezüglich Verfügbarkeit von Energie und deren Preisniveaus vor Ort.
• Ähnliche Entwicklungsdynamiken zeigt der Cluster Nachhaltigkeit: Entwickler und Betreiber von Rechenzentren haben den Anspruch, sich von Stiefkindern zu Pionieren der Dekarbonisierung zu entwickeln. Faktoren wie niedrige Versiegelungsraten, Wärmekopplung an lokale urbane Netze und Nutzung von Konversionsflächen werden immer wichtiger.
• Auch in der Kategorie Katastrophenrisiko ist viel Bewegung. Die durch den Klimawandel verursachte Häufung von Extremereignissen macht die Standort-Resilienz zu einem Top-Kriterium – insbesondere in Bezug auf das gefährdete, verbaute Investitionsvolumen und die potenziellen datentechnischen Kollateralschäden für Kunden der Cloud-Anbieter.
• Selbst die technischen Spezifikationen der Rechenzentren sind als „fixe Größe“ nicht so konstant, wie sie auf den ersten Blick zu sein scheinen. Ein nicht kleiner Teil des gesamten, für mobile Anwendungen benötigten Datenvolumens wird den meisten Prognosen zufolge perspektivisch sukzessive von kompakteren Edge-Rechenzentren mit ihren ganz eigenen Anforderungsprofilen übernommen.
• Schaut man sich die lokalen Marktparameter genauer an, müssen z.B. eher schlechte Prognosen für regionale Genehmigungsprozesse und öffentliche Akzeptanz kein Killer-Kriterium sein. Stimmen alle anderen Parameter, kann es Sinn machen, in neue, praxisbewährte Methoden des Beteiligungs-, Stakeholder und Kommunikationsmanagement zu investieren.
• Selbst dann, wenn alle Checkmark-Listen abgearbeitet sind, können lokale technische Parameter zur entscheidenden Hürde werde – beispielsweise durch geotechnisch anspruchsvollen Baugrund. Möglichst frühzeitige, interdisziplinäre ingenieurtechnische Expertise vor Ort ist hier durch nichts zu ersetzen.

 

Plattform für die strukturierte Standortsuche und -analyse für Rechenzentren

Wie gesagt – it’s complicated. Unser Kooperationsprojekt für eine Plattform für die strukturierte Standortsuche und -analyse für Rechenzentren ist ein vielversprechender Ansatz, diese Komplexität zu beherrschen. Den Nukleus der Plattform bildet eine Synthese von Datenbanken über die Energieversorgungssysteme auf Ebene von Bund, Ländern und Kommunen mit öffentlich zugänglichen Datenbanken (z.B. über Naturgefahren), die über ein Scoring-System nach ihrem „Level of confidence“ gewichtet werden und über eine digitalkartenbasierte GIS-Schnittstelle den Nutzern zur Verfügung gestellt werden. In der aktuellen Ausbaustufe des Systems bilden die aktuellen und prognostizierten Angebote an regenerativ erzeugter Energie vor Ort und die Risiken aus Naturkatastrophen die wichtigsten Schlüsselkriterien – perspektivisches Ziel der Plattform-Entwicklung ist die sukzessive Integration aller relevanten Standortfaktoren.

Die Sondierungsgespräche mit Kunden zeigen uns, dass wir hier auf dem richtigen Weg sind. Unsere praktische Projekterfahrung mit Entwicklern und Betreibern hat gezeigt, dass die Standortentscheidungen im Sektor Rechenzentren umso besseren Mehrwert generieren, je mehr interdisziplinäre Erfahrung und Expertise aus Arbeitsfeldern wie Dekarbonisierung, Konversion, Resilienz, Infrastruktur, Energieeffizienz, Planung, Genehmigungsmanagement und Projektmanagement in die Prozesse einfließen. Unser Kooperationsprojekt hat das Potenzial, der Digital-Booster für diese Expertise zu werden.

It’s complicated? Let’s make it easy!

AUTOREN

Mauer Gordon

Gordon Mauer

Sector Leader Manufacturing / Technology

Falk Schollenberger

Falk Schollenberger

Senior Advisor Commercial Buildings