Logistik von morgen: 3 Zukunftstreiber

Der Logistikmarkt wächst seit Jahren stetig. So stiegen Umsatz und Beschäftigung jährlich um etwa 5%, auf knapp 280 Mrd € Umsatz in 2019, sowie über 3 Mio. Beschäftigten. Damit rangiert der Sektor in Deutschland noch vor der Elektronikbranche und dem Maschinenbau, und ist nach der Automobilwirtschaft und dem Handel der drittgrößte Wirtschaftsbereich. Auch Logistikimmobilien waren in den vergangenen Jahren eine der am stärksten wachsenden Anlageobjekte, und erzielten durchschnittliche Renditen von über 7%. Doch wie wird sich der Markt zukünftig weiterentwickeln? Werden ähnliche Wachstumsraten zu erwarten sein? Welche Game Changer sind am Markt bereits heute erkennbar?

Junge Frau mit Tablet zwischen Regalen in einer Logistikhalle

Logistikimmobilien müssen zukünftig mindestens energieneutral errichtet werden

Aktuell befindet sich die Welt im Krisenmodus. COVID-19 lässt nur wenig Spielraum für zukünftige Trendanalyen zu. Die Transportpreise stehen massiv unter Druck, viele Mitarbeiter sind in Kurzarbeit, Investitionen werden verschoben.

Auch gibt es Stimmen, die von einem Umdenken in der Gesellschaft, einem Rückbesinnen auf frühere Werte und einem Neuanfang nach der Krise ausgehen. Die Mehrzahl der Analysten rechnen hingegen mit einem schnellen Wachstum nach der Krise, und damit, dass wir relativ zeitnah wieder alte Höchststände an Aktienmärkten und Beschäftigungszahlen sehen werden.

Zukunftstreiber 1: Reshoring

Ein Zukunftstreiber in der Logistikbranche ist das Reshoring, d.h. ein Überarbeiten der aktuellen Lieferketten im produzierenden Bereich, wobei ein Großteil der Waren nicht mehr in Asien produziert wird, sondern in den Ländern der Endkonsumenten. Dieser Trend wird durch die Themen der Industrie 4.0 sowie den neuesten 3D-Druck-Technologien verstärkt, denn mithilfe dieser Technologien ist es möglich, kleine Chargen flexibel, maßgeschneidert und günstig „vor Ort“ zu produzieren. Das wird enorme Auswirkungen auf die globalen Warenströme haben. Dieser Trend wird durch die aktuelle COPVID-19-Pandemie noch verstärkt.

Zukunftstreiber 2: Die neue Seidenstraße

Einen weiteren Einfluss auf die deutsche und europäische Logistiksparte wird die Neue Seidenstraße haben. Diese wird aktuell mit massiven Investitionen aus China vorangetrieben und soll eine schnelle Verteilung von in China produzierten Gütern nach Europa ermöglichen. Entlang dieser Seidenstraße werden neue Logistik-Hubs entstehen, die zusätzlichen Druck auf den europäischen Logistikmarkt ausüben. Auch werden dadurch günstige Arbeitskräfte nach Europa „importiert“.

Karte mit Visualisierung der Seidenstraße

Zukunftstreiber 3: Energiewende und Klimaschutz

Darüber hinaus spielen gesellschaftliche Trends (Demografie und damit Fachkräftemangel) und ökologische Maßnahmen (CO2-Bepreisung, eine gesetzlich vorgegebene reduzierte Grünflächenversiegelung, Rohstoff- und Recycling-Konzepte, aber auch nachhaltige Zertifizierungen) in der öffentlichen Wahrnehmung eine immer größere Rolle. Die Logistikbranche muss sich darauf einstellen.

Baupreise und Verkehrsentwicklung werden auch in Zukunft weiterwachsen. Um den strikten Anforderungen in Bezug auf Klimaschutz gerecht zu werden, muss der Logistik-Sektor sich radikal wandeln.

Diagramm des Umweltbundesamts zur Klimarahmenkonvention Stand März 2020

Quelle: Umweltbundesamt

Auf europäischer Ebene gibt es Bestrebungen, die Treibhausgas-Emissionen in Europa von ca. 866 Mio Tonnen CO2-Äquivalente in 2018 auf unter 30 Mio Tonnen CO2-Äquivalente in 2050 zu reduzieren. Dabei hatte der Verkehrssektor allein (also nur Transport, ohne Gebäude, Lagerung etc.) in 2018 einen Anteil von ca. 163 Mio Tonnen CO2-Äquivalente - und damit etwas mehr als fünf Mal so viel wie in 30 Jahren als Gesamt-Emission innerhalb der EU erlaubt sein wird.

Die Logistikbranche steht damit vor bisher nie da gewesenen Herausforderungen und Investitionen, welche alle Bereiche umfassen müssen. Dazu gehören Maßnahmen hin zu einer vollständigen Elektrifizierung oder Wasserstoffmobilität des Verkehrssektors, aber auch komplett neue Logistik-Lösungen der Intralogistik und auch der Logistikimmobilien. Logistikimmobilien müssen zukünftig mindestens energieneutral errichtet werden, wenn nicht sogar eine negative CO2-Bilanz aufweisen.

Wasserstoff wird zukünftig zusätzlich zur direkten Nutzung in den verschiedenen industriellen Bereichen aufgrund seiner hohen Speicher- und Transportierbarkeit auch eine zunehmende Bedeutung für die Systemintegration von erneuerbaren Energien im Immobilien- und Transportsektor bekommen, und damit einen Beitrag zur nationalen Industriepolitik und globalen Energiewende leisten.

Gordon Mauer

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