• Leistungen: Standortbewertung und -sanierung
  • Marktsektoren: Gesundheitswesen

Bundeswehrkrankenhaus Ulm

Ulm, Deutschland - Im Bundeswehrkrankenhaus in Ulm, einem hochmodernen medizinischen Zentrum, führt Arcadis eine umfangreiche Schadstoffsanierung durch. Die größte Herausforderung ist dabei eine logistische: Während der gesamten Sanierung müssen die Versorgung und der Klinikbetrieb ungestört weiterlaufen.

1.700

Quadratmeter asbesthaltige Innenwände

12

Jahre Gesamtlaufzeit für das Projekt
Bundeswehrkrankenhaus Ulm

Gebäudeschadstoffsanierung bei laufendem Krankenhausbetrieb

Im Jahr 1957 entstanden die ersten Lazarette der damals noch jungen Bundeswehr. Sie entwickelten sich schnell zu Krankenhäusern, die ab 1970 auch zivilen Patienten offen standen. In den letzten Jahren hat der Sanitätsdienst der Bundeswehr die Anzahl der Krankenhäuser von ehemals elf auf fünf reduziert. Ziel ist, diese zu Zentren auszubauen, die auf hohem Niveau eine Vielzahl medizinischer Leistungen anbieten. Eines dieser Zentren ist das Bundeswehrkrankenhaus Ulm. 17 medizinische Fachdisziplinen arbeiten hier unter einem Dach. Das Krankenhaus konnte mit der Kopfklinik, dem Chirurgischen Zentrum, dem Gefäßzentrum und dem Trauma-Zentrum vier medizinische Kompetenzzentren etablieren.

Asbest und künstliche Mineralfasern vielfach verbaut

Die Entscheidung, den Standort Ulm zu halten und auszubauen, war gleichzeitig die Entscheidung für umfangreiche Umbau-, Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten an den über 30 Jahre alten Gebäuden. Klar war auch, dass Asbest wie auch die ebenfalls gesundheitsgefährdenden künstlichen Mineralfasern (KMF) dabei ein Thema sein würden. Beide Stoffe wurden in dem 1980 mit dem „Deutschen Stahlbau-Preis“ ausgezeichneten Gebäude vielfach eingesetzt: in Fugenmaterial, Rohrleitungsdurchführungen, Brandschutztoren wie auch in Systeminnenwänden und der Außenverkleidung.

Höchste Sicherheit

Nicht überall wurden während der Sanierung die Schadstoffe entfernt, denn in fest gebundener Form sind sie unproblematisch. Gesundheitsgefährdend und krebserregend wirken sie nur dann, wenn die Fasern in die Atemluft gelangen können, zum Beispiel wenn sie in leichtgebundener Form vorliegen oder mechanisch beansprucht werden. Dies ist bei dem in allen Krankenhausgebäuden verwendeten Fugenfüllmaterial zwischen Kalksandsteinmauerwerken und Betondecken der Fall. Rund 1.400 Meter dieser „Litaflex“-Fugenbänder ließ Arcadis entfernen und entsorgen. In festgebunder Form vorliegende Asbest- oder KMF-Fasern können im Zuge von Bauarbeiten, zum Beispiel bei der Demontage oder mechanischer Beanspruchung, freigesetzt werden. Zu gewährleisten war daher, dass während der Bauphase zu keiner Zeit Gefährdungen für die Bauarbeiter, das Klinikpersonal oder die Patienten entstehen konnten. Baubereiche, in denen Asbest oder KMF entfernt werden sollten bzw. Fasern freiwerden konnten – zum Beispiel durch Bohrungen –, wurden von Arcadis luft- und staubdicht abgeschottet und unter Unterdruck gesetzt. Arbeiter durften diese sogenannten „Schwarzbereiche“ nur über Schleusen und mit Vollschutz betreten. Diese hohe Sicherheit setzte Arcadis entsprechend der eigenen Philosophie bei allen Arbeiten an Asbestverwendungen um.

Logistische Herausforderung

Das Krankenhaus besteht aus vier Gebäudeteilen (dem Versorgungsgebäude, dem Hochhaus sowie den beiden Flachbaubauten Südwest und Nordost) von denen drei Gebäudeteile über einen Zeitraum von zehn Jahren sukzessive saniert wurden. Während der Sanierung des Versorgungsgebäudes lag die große Herausforderung vor allem darin, dass die Versorgung des Standorts über das Gebäude zu jeder Zeit sichergestellt werden musste.

Die Sanierung des aus vier Flügeln bestehenden Hochhauses begann 2006 und endete im Jahr 2012. Logistisch besonders anspruchsvoll war hier die Sanierung der asbesthaltigen Rohrummantelungen im Bereich von Rohrleitungsdurchführungen, da jeweils mehrere Geschosse gleichzeitig betroffen sind und dies in den Arbeitsablauf der anderen Bauarbeiten, aber auch des Krankenhausbetriebs eingepasst werden musste. In der dritten Phase von 2012 bis 2017 standen die Sanierung der Flachbauten Südwest und Nordost mit den OP-Bereichen an.

Kabeldurchführung in der Außenfassade

Ein anderer Schwerpunkt war das Anbringen von Kabeldurchführungen in der asbesthaltigen Außenwandschürze des Hochhauses. Diese sollten vorerst aus wirtschaftlichen Gründen erhalten bleiben, die Fenster aber mit Sonnenschutzjalousien versehen werden. Für die Durchbohrung der Fassade brachte Arcadis eine Technik in Anlehnung an die BGI 664 „Bohren von Gerüstverankerungslöchern in ebenen AZ-Platten“ zum Einsatz: Während der Bohrung werden freiwerdende Fasern durch eine spezielle Vorrichtung abgesaugt, ohne dass sie in die Außenluft gelangen können. Anschließend wird eine Aluminiumhülse in das Bohrloch eingebaut und abgedichtet. Somit ist ein sicherer Durchgang geschaffen, in den später eine zweite Hülse für die Kabel der Sonnenschutzeinrichtungen eingeführt werden kann.

Restschadstoffkataster: In die Zukunft gedacht

Auch wenn viele asbesthaltige Materialien entfernt und entsorgt werden: Ein Teil der Innenwände, der Fassade und auch einige Rohrleitungsdurchführungen enthalten auch nach Abschluss der Sanierung noch Asbest- oder künstliche Mineralfasern. Dies ist unproblematisch, solange die entsprechenden Wände, Platten, Rohrleitungen/ Rohrleitungsdurchführungen etc. intakt bleiben. Um sicherzustellen, dass auch zukünftige Bauarbeiten ohne Gefährdung von Menschen erfolgen können, beauftragte die Bundeswehr Arcadis mit der Erstellung eines detaillierten Restschadstoffkatasters. Dieses dokumentiert in Plänen geschoss- und bauabschnittsweise mit dazugehörigen Tabellen und Fotos exakt die im Gebäude verbliebenen Verwendungen an Asbest und KMF. So bleibt das im Rahmen der jetzigen Untersuchung und der Sanierung erworbene Wissen erhalten und steht bei zukünftigen Arbeiten zur Verfügung.

Arcadis Leistungen

  • Vertiefende technische Erkundung
  • Sanierungsplanung
  • Ausschreibung
  • Fachbauleitung
  • Dokumentation
  • Erstellung eines Restschadstoffkatasters für Asbest und Künstliche Mineralfasern (KMF)

Ergebnisse

1.700

Quadratmeter asbesthaltige Innenwände

12

Jahre Gesamtlaufzeit für das Projekt

850

asbesthaltige Kabeldurchführungen

Fragen zum Projekt

Stephan Dolata

Leiter Bauwerksanierung und Rückbau +49 151 17143421 Ihre Frage an mich