Auswirkungen der CO₂-Bepreisung auf den Wärmemarkt

Die Bundesregierung hat im Winter 2019 das Klimaschutzprogramm verabschiedet, das mit konkreten Maßnahmen zur Erreichung der Klimaschutzziele Deutschlands beitragen soll. Strukturierte Analysen zeigen, dass die Auswirkungen der CO₂-Bepreisung im (Wohn-) Gebäudebereich höchst unterschiedlich und objektbedingt ausfallen.

Glückliches Paar mit Tablet sitzen an Heizkörper gelehnt

Wirkweisen von Effizienzmaßnahmen sind höchst unterschiedlich und objektbedingt

CO2-Bepreisung im Wärmemarkt

Mit der Einführung einer CO2-Bepreisung nun auch in Deutschland sollen die vielversprechenden Emissionseinsparpotenziale u.a. im Wärmesektor fokussiert gehoben werden: Im Klimaschutzprogramm 2030 wurde ein Mechanismus eingeführt, der wirtschaftliche Anreize für die Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen im Wärme- bzw. Gebäudesektor schaffen soll. Der dazu gewählte Mechanismus einer implizierten CO2-Bepreisung verteuert für Endverbraucher die Nutzung fossiler Brennstoffe in den Sektoren Wärme und Verkehr, in denen bisher die umweltbezogenen Kosten der Emissionen nicht berücksichtigt waren (Internalisierung exogener Kosten). Damit werden effiziente Technologien und die Nutzung erneuerbarer Energien wirtschaftlicher.

Vorgesehen ist ein CO2-Startpreis von 25€/tCO2, der im Jahr 2021 verbraucherseitig anfällt und bis zum Jahr 2025 auf 55€/tCO2 ansteigen soll. Ab 2026 soll sich der CO2-Preis über den freien Markt regeln und zwischen 55 und 65€/tCO2 liegen.

Bewertung individueller Gebäude und verschiedener Gebäudetypen

Insbesondere im (Wohn-)Gebäudebereich ist eine Vielzahl an Varianten zur Umstellung der Wärmeerzeugung bzw. Gebäudesanierung möglich, sodass mögliche Investitionen höchst individuell unter Berücksichtigung der jeweils gegebenen Rahmenbedingungen und der neu einzuführenden CO2-Bepreisung bewertet werden müssen. Fundierte Aussagen über die Wirtschaftlichkeit einzelner Effizienzmaßnahmen können dann mittels wirtschaftlicher Kennzahlen (z.B. Kapitalverzinsung) für einzelne Gebäude getroffen werden.

Bei übergeordneter Betrachtung dieser Kennzahlen für Gebäudeportfolien können für die Hebung der Emissionseinsparpotentiale im Wärmemarkt Maßnahmen hinsichtlich ihrer Wirtschaftlichkeit priorisiert sowie weitere notwendige Anreizmechanismen identifiziert werden.

So zeigt eine erste strukturierte Analyse möglicher Investitionen (z.B. Sanierung der Gebäudehülle oder Einbindung erneuerbarer Energien in die Wärmeerzeugung) in die energetische Sanierung von verschiedenen Wohngebäude-Typen bereits, dass über die CO2-Bepreisung zwar die Wirtschaftlichkeit positiv beeinflusst wird, aber dennoch weitere Mechanismen erforderlich sind, um eine weitreichende Marktdurchdringung zu erreichen.

CO2-Bepreisung als Hebelmechanismus im Wärmemarkt – Ein Beispiel

Eine CO2-Bepreisung erwirkt, ausgehend von den heutigen Brennstoffpreisen, eine Preissteigerung bei der Wärmeversorgung. Diese Preissteigerung ist trotz der kurzfristigen Anpassung von 10€/tCO2 auf 25€/tCO2 nicht ausreichend, um einen beschleunigten Realisierungspfad zu erreichen und erforderliche Investitionsanreize zu setzen. Eine weitreichende Umsetzung kann nur bei einer verlässlichen Preissteuerung auf einem Niveau oberhalb von 75€/t erreicht werden. Entsprechend mutig wurde dies bisher u.a. in Schweden (> 100€/tCO2) und der Schweiz (> 80€/tCO2) umgesetzt.

Der Hebelmechanismus des CO2-Preises kann anhand eines Beispiels skizziert werden. Reduziert ein Einfamilienhaus mit einem jährlichen Erdgasverbrauch von 30.000 kWh zur Wärmebereitstellung (ohne Warmwasser) durch eine Sanierungsmaßnahme seinen Verbrauch um 20% , so sinken die jährlichen Kosten um ca. 350€ ohne CO2-Preis bis hin zu 531€ bei einem CO2-Preis von 125€/ tCO2. Die Einspareffekte werden durch einen CO2-Preis in der angenommenen Bandbreite um bis zu 50% gesteigert. Ein CO2-Preis von 25€/ tCO2 schafft hier lediglich 10% .

Die folgende Grafik zeigt die Steigerung der Einsparung auf einen Nutzungshorizont von 20 Jahren bei verschiedenen CO2-Preisen durch die Realisierung von Energieeffizienzmaßnahmen:

Grafik zur Steigerung der Einsparung auf einen Nutzungshorizont von 20 Jahren

Fazit: Entwicklung einer „Merit-Order”

Strukturierte Analysen zeigen, dass die Wirkweisen von Effizienzmaßnahmen im (Wohn-) Gebäudebereich höchst unterschiedlich und objektbedingt sind. Allerdings kann über alle untersuchten Typenklassen aufgezeigt werden, dass die Sanierungs- und Effizienzmaßnahmen grundsätzlich in eine Rangfolge gebracht werden können. Im Zuge einer Umsetzung kann dann mit den spezifisch günstigsten Maßnahmen begonnen werden.

Diese Merit-Order (Rangfolge mit höchstem Grenznutzen) der Maßnahmen beruht auf dem Bewertungskriterium Investitionsbetrag / CO2-Vermeidung je Lebensjahr. Individuell ist die Bewertungsrangfolge um Aspekte wie Wertsteigerung der Immobilie und subjektive Faktoren (z.B. Wohnkomfort) anzupassen.

Losgelöst von der Bewertung der Hebelwirkung der derzeitig vorgesehenen CO2-Bepreisung im Wärmemarkt und Forderungen nach weiteren Investitionszuschüssen und Marktanreizprogrammen, kann auf diese Weise auch gezeigt werden, dass insbesondere die Umsetzung standardisierter Verfahren für die energetische Sanierung von (Wohn-)Gebäuden ein wichtiger Schritt bei der Erreichung der Klimaschutzziele darstellt. So können wichtige ökonomische und ökologische Potentiale der energetischen Gebäudesanierung gehoben werden.

Blog Autoren:

Aline Kornmann

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Tobias Plöger

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