Wassermanagement muss so hip werden wie Digitalisierung

Kurz-Interview mit Wolfram Tauer, Managing Director Water

Wassermangel Berlin

„Wassermangel in Berlin“ lauteten jüngst die Schlagzeilen in der Presse. Sind das Fake News oder wird in der Hauptstadt tatsächlich bald der Notstand ausgerufen?

Da ist natürlich immer ein wenig Alarmismus im Spiel. Niemand wird in Deutschland wegen Wassermangels auf seine morgendliche Dusche verzichten müssen. Aber die aktuellen Probleme zeigen, dass wir Nachholbedarf haben, was unsere Widerstandsfähigkeit gegen (noch?) relativ seltene Ereignisse wie diesen Jahrhundertsommer angeht.

Sind die Probleme mit der nächsten ergiebigen Regenfront denn nicht gelöst?

Schön wär’s. Die ungewöhnlich niedrigen Grundwasserpegel werden in vielen Regionen lange brauchen, um wieder auf Durchschnittsniveau zu steigen. Die Binnenschifffahrt ist signifikant eingeschränkt. In der Trinkwasserversorgung steigt wegen höherer Schadstoffkonzentrationen der Aufwand für Reinigung und Aufbereitung. Und wie städtische Grünflächen und Baumbestände die Dürre überstanden haben, werden wir mancherorts erst in den nächsten Jahren genau wissen – mit den entsprechenden negativen Folgen für das Stadtklima und die Luftqualität.

Die Folgen des Niederschlagsmangels sind also komplexer, als sie auf den ersten Blick erscheinen?

So ist es. Letztlich bleibt kein Aspekt des Lebens, Arbeitens und Wirtschaftens in der Stadt davon unbeeinflusst. Aber die Probleme sind nicht beschränkt auf die Metropolen. In der Eifel fuhren im Sommer Tankwagen mit Trinkwasser über die deutsch-belgische Grenze. Und den Betreibern der Trinkwasser-Talsperren im Harz bereiten die Pegelstände langsam Kopfzerbrechen.

Wenn es um Wassermanagement ging, waren unsere Schwerpunkte in der Vergangenheit der Hochwasserschutz und die Widerstandsfähigkeit gegen Starkregen in Städten. Hängen beim Thema Wasser „zu viel“ und „zu wenig“ irgendwie zusammen?

Die integrierten Lösungen, die wir propagieren, setzen genau da an. Die „ideale Stadt“ hat eine hohe Kapazität für die Zwischenspeicherung von Niederschlägen. Damit ist sie weniger anfällig gegenüber urbanen Sturzfluten, sie reduziert die Hochwassergefahr an Vorflutern und Flüssen und ist besser gewappnet gegen nachfolgende Trockenperioden. Zur Prävention gegen lokalen Trinkwassermangel helfen auch überregional verbundene Versorgungsnetze. Beispiel Stuttgart: Nicht allen Bewohnern und Besuchern der Landeshauptstadt ist wahrscheinlich bewusst, dass sie Wasser aus der Bodensee-Region trinken.

Sind das alles Zukunftsvisionen oder existieren schon „Best Practices“?

Die „Best Practices“ existieren nicht nur, wir wirken auch aktiv mit an ihrer Umsetzung! Unsere Planungs- und Beratungsleistungen für die Resilienz von 44 polnischen Städten geht in genau diese Richtung. Und Projekte wie „Rainproof Amsterdam“ und „Sponge City Wuhan“ zeigen vorbildlich, welche Kreativität freigesetzt wird, wenn sich kommunale Verantwortliche und Arcadis-Experten an einen Tisch setzen.

Das alles klingt so plausibel, dass man erwarten könnte, die öffentlichen Entscheidungsträger „scharrten mit den Hufen“. Ist das so?

Die technische Expertise, über die wir verfügen, ist die eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist eher kommunikativer Natur. Wir müssen Auftraggeber davon überzeugen, dass langfristige, integrierte und nachhaltige Lösungen sich letztendlich auszahlen. Der erste Schritt ist immer, den Status quo zu analysieren, auf Risiken hinzuweisen und ein Problembewusstsein zu schaffen. Wenn Kommunen mit der Instandhaltung des Straßennetzes im Rückstand sind, müssen sie im schlimmsten Fall mal eine Brücke sperren. Dann ärgern sich Autofahrer. Plötzliche Starkregen oder eine beeinträchtigte Trinkwasserversorgung können dagegen Leben und Gesundheit von Bürgern gefährden. Daraus sollten sich die Prioritäten ableiten. Wenn unsere Konzepte für modernstes, integriertes Wassermanagement genauso „hip“ sind wie Digitalisierung, dann machen wir unseren Job richtig.

Dr. Wolfram Tauer

Water Operations & BD/Sales +49 151 17142944 Ihre Frage an mich